Folgen Sie uns:

Magdeburg, Dom

Neubau, 2008

93

Register

4

Manuale

6.139

Orgelpfeifen

Der Dom
Magdeburg ist die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts sowie evangelischer und katholischer Bischofssitz. Die Universitätsstadt blickt auf eine 1200-jährige Geschichte zurück und beheimatet ein reiches historisches Erbe. Hier residierte Otto I., der erste Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, in seiner Kaiserpfalz und im Dom fand er seine Grablege.

Die Grundsteinlegung des Domes St. Mauritius und Katharina fand 1209 statt. Es brauchte gut dreihundert Jahre, bis als letztes die Türme 1520 vollendet waren. Seine Gesamtlänge beträgt 120 Meter. Das Gewölbe spannt sich in 32 Metern Höhe über dem Hauptschiff aus. Der frühgotische Monumentalbau ist als Kreuzbasilika mit Kapellenkranz angelegt. Architekturhistorisch kommt dem Magdeburger Dom als erster gotisch konzipierter Kathedrale in Deutschland eine besondere Bedeutung zu, weshalb er auch zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Die Vorgängerorgeln
1604 baute Heinrich Compenius der Jüngere eine Orgel mit 42 Registern auf drei Manualen und Pedal. Diese erhielt 1830 ein neues Gehäuse und wurde ab 1856 durch einen Neubau von Adolf Reubke ersetzt und bis 1865 auf 92 Register erweitert. Hinter dem veränderten neugotischen Prospekt der Vorgängerorgel errichtete Ernst Röver 1906 eine 100-Register-Orgel, die im 2. Weltkrieg verloren ging.

Im Jahr 1970 errichteten unsere Vorfahren die heute noch bestehende Chororgel (III/37) im Nordquerschiff zur Beschallung des Querhauses und Vierungsbereiches. An einen angemessenen Neubau einer Hauptorgel im weiterhin sakral genutzten Dom war während des kirchenfeindlichen DDR-Regimes nicht zu denken. Bis zu unserem Hauptorgel-Neubau blieb die Westempore leer.

Die neue Schuke-Orgel
Nach jahrelanger Vorplanung und dem anschließenden Bau konnte die neue Domorgel im Jahr 2008 eingeweiht werden. Es handelt sich um eines der kompliziertesten, aber auch großartigsten Projekte, die wir bislang in unserer Werkstatt planen und realisieren durften. Das Instrument ist mit seinen 93 Registern auf den Riesenraum abgestimmt und hat sich als ein Markstein zeitgenössischen deutschen Orgelbaus am Beginn des 21. Jahrhunderts etabliert.

Abweichend von vielen Großorgeln, die in den 1980-90ern als Universalinstrumente mit unterschiedlichsten Stilanleihen konzipiert wurden, sollte in Magdeburg ein Instrument entstehen, das einer konkreten Klangwelt verpflichtet ist, ohne auf eine ausreichende stilistische Breite verzichten zu müssen. In Anknüpfung an die alte Röver-Orgel entstand ein Konzept, das im Kern romantisch-sinfonisch angelegt ist und kathedraltaugliche Orgelmusik vor allem deutscher und französischer Provenienz, aber auch Kompositionen aus der englisch-romantischen Tradition mit authentischem Anspruch darstellbar macht. Dadurch finden sich in der Disposition Anleihen entsprechender Klangfarben, die das Gesamtwerk zu einer eigenständigen Lösung neu formen.

Bezeichnend für alle Register sind großzügige Mensurverhältnisse. Es entstand ein vornehmes und würdevolles Plenum, das ohne brutale Lautstärke auskommt und dennoch den Raum beherrscht. Der voluminöse Prinzipalchor ist aus der mitteldeutschen Orgelbautradition abgeleitet und entwickelt sich durch die ergänzenden Klangfarben der deutschen, französischen und englischen Romantik in eine sinfonische Breite. Trotz maximaler Verschmelzungsfähigkeit des sinfonischen Grundcharakters verlieren die Einzelstimmen nicht ihre polyphone Zeichnung. Es steht eine Fülle an Grundstimmen zur Verfügung mit einem breiten dynamischen Spektrum – von pastellartig zarter Färbung bis zur durchsetzungsfähigen Brillanz. Differenzierte Flöten- und Streicherstimmen sowie Solo- und Plenumzungen in vielen unterschiedlichen Tonlagen lassen kaum musikalische Wünsche offen.

Das Gehäuse des imposanten 32 '-Prospektes ist aus Eichenholz gefertigt. Die modern-elegante Gestaltung wurde von Tibor Kiss entworfen und fügt sich in die vertikal emporstrebende Raumarchitektur unaufdringlich ein. Die Orgel ist 15 Meter hoch, 11 Meter breit, 9 Meter tief, wiegt 37 Tonnen und besitzt insgesamt 6139 Pfeifen. Die Windladen verteilen sich auf 4 Etagen. Über dem Spieltisch befindet sich das Hauptwerk und darüber das Solowerk. In der hinteren Ebene steht unten das Schwellwerk und oben das Positiv. Die Tuba mirabilis ist auf dem Dach des Gehäuses liegend positioniert. Das in C/Cis geteilte Pedal erstreckt sich beidseits außen nahezu über die ganze Tiefe und Höhe der Orgel.

Eine besondere Herausforderung bestand darin, in dem riesigen Gehäuse die mechanische Spieltraktur bis in die Höhe zu konzipieren. Um eine optimale Leichtgängigkeit zu gewährleisten, kam für Hauptwerk und Positiv der sog. Fisk-Hebel (Kowalyshyn-Serverpneumatik-Hebel) zum Einsatz. Diese mechano-pneumatische Trakturhilfe arbeitet ohne Störgeräusche und überträgt den individuellen Anschlag unmittelbar auf die Ventile.

Von der ursprünglichen frühbarocken Compenius-Orgel ist lediglich die Figur des Goldenen Hahnes erhalten geblieben. Dieser gab den Anlass, eine Kopie dessen unter dem Mittelturm des Prospektes ausfahrbar zu installieren. So schlägt der Hahn eine Brücke in die Vergangenheit und bindet die neue Orgel symbolisch in die Geschichte des Domes ein.

Galerie

Disposition

I. Hauptwerk
1. Principal 16′
2. Bourdon 16′
3. Octave 8′
4. Diapason 8′
5. Gedackt 8′
6. Doppelflöte 8′
7. Gambe 8′
8. Nassat 5 1/3′
9. Octave 4′
10. Hohlflöte 4′
11. Spitzflöte 4′
12. Tertia 3 1/5′
13. Quinte 2 2/3′
14.  Octave 2′
15. Cornett V
16. Mixtur maior V
17. Mixtur minor IV
18. Trombone 16′
19. Trompette 8′
20. Clairon 4′
II. Positiv
21. Salicional 16′
22. Quintatön 16′
23.  Principal 8′
24. Rohrflöte 8′
25. Cor de nuit 8′
26. Viola 8′
27. Fugara 8′
28. Vox celestis 8′
29. Octave 4′
30. Traversflöte 4′
31.  Fugara 4′
32. Nassat 2 2/3′
33. Octave 2′
34. Piccolo 2′
35. Echocornett III 2′
36. Harmonia aetherea III-IV
37. Englischhorn 16′
38. Trompete 8′
39. Klarinette 8′
40. Cromorne 8′
41. Chamade 8′
III. Schwellwerk
42. Bordun 16′
43. Principal 8′
44. Bordun 8′
45. Flûte traversière 8′
46. Voce umana 8′
47. Viola di Gamba 8′
48. Voix céleste 8′
49. Octave 4′
50. Viola 4′
51. Flûte octaviante 4′
52. Flöte 4′
53. Nazard 2 2/3′
54. Quarte de Nazard 2′
55. Tierce 1 3/5′
56. Larigo 1 1/3′
57. Sifflet 1′
58. Progressio III-V 2′
59. Bombarde 16′
60. Aeoline 16′
61. Trompette 8′
62. Voix humaine 8′
63. Hautbois 8′
64. Clairon 4′
Tremulant
IV. Solowerk
65. Doppelprincipal 8′
66. Flûte harmonique 8′
67. Seraphon 8′
68. Cornett VI 16′
69. Clarinette 8′
70. Tuba mirabilis 8′
Pedal
71. Principal 32′
72. Untersatz 32′
73. Octave 16′
74. Violon 16′
75. Subbass 16′
76. Kontrabass 16′
77. Zartbass 16′ (Transm.)
78. Quinte 10 2/3′
79. Octave 8′
80. Flöte 8′
81. Gedackt 8′
82. Cello 8′
83. Cello piano 8′
84. Terz 6 2/5′
85. Nassat 5 1/3′
86. Octave 4′
87. Flöte 4′
88. Flöte 2′
89. Contrabombarde 32′
90. Bombarde 16′
91. Fagott 16′
92. Trompete 8′
93. Clairon 4′

Koppeln: IV/I; III/I; III/I sub; II/I; III/II; III/II sub; III/III super; I/P; II/P; III/P; IV/P.
Spielhilfen: Schwelltritte für Positiv und Schwellwerk
10.000 Setzerkombinationen.

Standort

Screenshot von OpenStreetMaps