Neubau, 2003
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Die neue Schuke-Orgel in der St. Marienkirche am Behnitz ist auf polyphones Spiel und sinfonische Interpretation ausgerichtet. Dabei bezieht sich die wachstumsfähige, schwellbare Klangkraft auf das gesamte Instrument und nicht auf einzelne Teilwerke, so dass hier auch die hohe Kunst des Registrierens erforderlich ist. In dieser Konzeption wird die polyphone Zeichnungsfähigkeit der Einzelstimmen stark herausgearbeitet, damit auch moderne, zeitgenössische Musik auf der neuen Orgel darstellbar ist, ohne deswegen jedoch die im romantischen Sinne wünschenswerte Klangverschmelzung zu beeinträchtigen. Die einzelnen Werke des Instruments sind vom Klangaufbau her somit sowohl additiv als auch gleichwertig gegeneinander spielbar. Die neue Orgel hat eine ausgeprägte Klarheit, Feingliedrigkeit und Farbigkeit in den Einzelstimmen, eine hohe Mischungsfähigkeit unter den Registern und eine kräftige Klangfülle.
Die breite 8’-Basis des Hauptwerkes mit Principalchor, Streicherchor, Flötenchor und Zungenchor erhält mit der Flaut douce 8’ als ausgesprochene Solostimme eine ungewöhnliche Bereicherung. Dieses Register aus der Flötenfamilie wird als gedrechselte Holzflöte hergestellt, die klanglich einem Blockflötenchor ebenbürtig ist. Das Hauptwerk bildet, wie schon der Name sagt, mit dem Principal 8’ sowie dem weitergeführten Chor Octave 4’, Quinte 2 2/3’, Octave 2’, der Mixtur und Cymbel das klangliche Rückgrat der Orgel.
Das Schwellwerk erfüllt den korrespondierenden Charakter zum Hauptwerk und bereichert die Klangfülle mit Farbregistern, Aliquoten und Solostimmen, so dass eine Vielzahl barocker, romantischer und zeitgenössischer Musikwerke darstellbar wird. Im Schwellwerk gibt es, besonders für romantische Kompositionen, sehr vielfältige Differenzierungsmöglichkeiten, insbesondere durch die beiden verschiedenen Principale, den Holzprincipal 8’ im Inneren des Schwellers und den Praestant 8’ als Prospektregister. Die Doppelrohrflöte 8’ ist eine Charakterstimme, die im Hause Schuke einen besonders typischen Klang besitzt. In St. Marien am Behnitz soll sie durch ihre Fülle und ihren prägenden Obertonaufbau einen unverwechselbaren Akzent setzen. Und schließlich ist da die Fanfaro 8’ horizontal, die oberhalb des Spieltisches waagerecht aus dem Orgelgehäuse herausragt. Sie ist nicht schwellbar und bereichert den Zungenchor des zweiten Manuals. Die Fanfaro ist eine exzellente Solostimme, die sowohl im Triospiel gegen das Hauptwerk als auch in den verschiedensten Mischungen mit den Schwellwerksregistern Verwendung finden kann.
Das Pedal enthält die tief liegenden Bässe des Instrumentes, deren gravitätische Fülle die beiden Manuale klanglich untersetzen. Auch hier finden sich ein Principalchor, ein Flötenchor, ein Streicherchor und ein Zungenchor, so dass die Bassfunktion passend zu den Manualregistrierungen gewählt werden kann.
Das Instrument ist mit einer rein mechanischen Tontraktur sowie einer mechanischen Registertraktur ausgestattet. Sie ist so konstruiert, dass der spätere Einbau einer Setzeranlage problemlos möglich ist.
Der Prospekt der Orgel in St. Marien am Behnitz wurde von Tibor Kiss entworfen und stellt ein interessantes Bindeglied zwischen klassischen Bautraditionen und heutiger Architektur dar. Die gestalterische Herausforderung beim Entwurf der Orgel bestand darin, sie im Angesicht des Altars sowohl als eigenständiges Instrument zu zeigen als auch in den bestehenden Kontext einzufügen. Die geschwungenen Türme und Einzelfelder wurden so konzipiert, dass sie sich zu einem harmonischen Ganzen verbinden und dem Kirchenraum einen spannungsvollen Akzent verleihen. In seiner Gestalt verkörpert das Instrument sinnbildlich eine musikalische Komposition. Die Aufstellung erfolgte symmetrisch in der Mitte der Empore.

| I. Hauptwerk |
|---|
| 1. Bordun 16′ |
| 2. Principal 8′ |
| 3. Rohrflöte 8′ |
| 4. Viola di Gamba 8′ |
| 5. Flaut douce 8′ |
| 6. Octave 4′ |
| 7. Spitzflöte 4′ |
| 8. Quinte 2 2/3′ |
| 9. Octave 2′ |
| 10. Cornett V |
| 11. Mixtur V 2′ |
| 12. Cymbel III |
| 13. Trompete 8′ |
| II. Schwellwerk |
|---|
| 14. Lieblich Gedackt 16′ |
| 15. Holzprincipal 8′ |
| 16. Praestant 8′ |
| 17. Salicional 8′ |
| 18. Doppelrohrflöte 8′ |
| 19. Quintatön 8′ |
| 20. Octave 4′ |
| 21. Fugara 4′ |
| 22. Nachthorn 4′ |
| 23. Nassat 2 2/3′ |
| 24. Piccolo 2′ |
| 25. Terz 1 3/5′ |
| 26. Progr. Harmon. IV |
| 27. Oboe 8′ |
| 28. Fanfaro horizintal 8′ |
| Tremulant |
| Pedal |
|---|
| 29. Principal 16′ |
| 30. Subbaß 16′ |
| 31. Octavbaß 8′ |
| 32. Cello 8′ |
| 33. Octave 4′ |
| 34. Posaune 16′ |
| 35. Trompete 8′ |
Koppeln: II/I, I/P, II/P