Neubau, 2024-2026
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Die Grundsteinlegung der Dreifaltigkeitskirche fand im Jahr 1701 statt. Sie blieb bis zur Fertigstellung der neugotischen Gedächtniskirche im Jahr 1904 die lutherische Hauptkirche von Speyer. Der Barockbau ist als Saalkirche mit großen Rundbogenfenstern und Polygonalabschluss der Chorseite angelegt. Der Raum wird von einem komplett mit Gemälden geschmückten, flachen Kappengewölbe aus Holz überspannt. Trotz aller Stürme der Geschichte hat sich die Ausstattung der Kirche vollständig aus der Erbauungszeit erhalten. Die Dreifaltigkeitskirche zählt zu den wichtigsten Zeugnissen evangelischer Kirchenbaukunst in Süddeutschland und verfügt über eine ausgezeichnete Akustik.
Den optischen Blickfang bildet das architektonische Ensemble von barockem Altaraufbau und darüber thronendem Orgelprospekt. Das Hauptgehäuse stammt von der einmanualigen Orgel, die Johann Anton Ignaz Will aus Mainz 1717 vollendete. 1791 erfolgte ein Umbau der Orgel durch Johann Georg Geib (Frankenthal). Nach Plünderungen durch französische Revolutionstruppen führte J. G. Geib bis 1813 einen Orgelneubau unter Einbeziehung des bestehenden Gehäuses und weiterer noch brauchbarer Teile durch. Als zweites Manualwerk kam ein Rückpositiv hinzu, dessen Gestaltung überzeugend mit dem 100 Jahre älteren Hauptgehäuse harmoniert.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägten tiefgreifende Umbauten dem Instrument ein hochromantisches Klangbild auf. Zur 400-Jahrfeier der Protestation und der damit einhergehenden Restaurierung der Kirche im Jahr 1929 baute G. F. Steinmeyer eine neue, nun dreimanualige Orgel mit elektropneumatischen Trakturen in die alten, teilweise erweiterten Gehäuse ein. Der Spieltisch musste dabei auf eine Seitenempore ausgelagert werden. Die 41 Register umfassende Disposition war klanglich der Spätromantik mit Einflüssen der Orgelbewegung zuzuordnen. Konstruktiv bedingte Probleme der Technik und Klangentwicklung durch die beengte Aufstellung, zunehmende Verschleißerscheinungen und wiederum geänderte Klangvorstellungen mündeten 1951 in einen Umbau durch Gebr. Oberlinger, der darauf abzielte, den Klang einer vermeintlichen Rebarockisierung zu unterziehen. Weitere Maßnahmen der folgenden Jahrzehnte dienten primär der Erhaltung der Spielbarkeit, konnten jedoch die mangelhafte Orgelsituation nicht nachhaltig verbessern. Hinzu kam die Unzugänglichkeit der verbauten inneren Anlage, statische Verwerfungen der Gehäusekonstruktion, die allgemeine Diskrepanz zwischen der Qualität des inhomogenen Orgelwerkes und der künstlerischen Aussage des historischen Gehäuses sowie eine erhöhte Brandgefahr, die 2020 zur Stilllegung der Orgel führte. Selbst eine modifizierte Rückführung auf den Zustand von 1929 hätte die konzeptionellen Probleme nicht befriedigend beseitigen können, weshalb das Werk schließlich als nicht erhaltenswert eingestuft wurde.
Mit der Entscheidung zum Orgelneubau ergab sich einerseits die Möglichkeit, ein dem Bauwerk und seiner kirchen- und kunstgeschichtlichen Bedeutung angemessenes Instrument zu planen, dessen technische und künstlerische Qualitäten höchsten Ansprüchen genügt. Andererseits eröffnete sich ein Weg, um die ursprüngliche Einheit von Raum, barockem Orgelprospekt und Orgelklang wieder herzustellen. Die neue Orgel erhält klassische Schleifladen, mechanische Trakturen und eine für die Gehäusegröße angemessene Registerzahl von 34 Stimmen, verteilt auf Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal.
Der Klangstil orientiert sich am südwestdeutschen Spätbarock, wobei die Disposition der Geib-Orgel von 1813 mit musikalisch geeigneten Ergänzungen und Modifikationen als Basis diente. Das üppig besetzte Hauptwerk bietet eine reich besetzte Grundstimmenlage mit einer Vielfalt von Farbschattierungen, einen frischen Prinzipalchor mit Mixturen und ergänzenden Aliquoten als Rückgrat, während das Rückpositiv vor allem für solistische Aufgaben geeignet und dementsprechend u.a. mit fein zeichnenden Flöten und lyrischen Zungenstimmen ausgestattet ist. Im Pedal finden sich hauptsächlich Fundament- und Begleitstimmen. Die Mensuren werden vom Bass und Diskant aus zu c1 hin enger, wodurch sich eine gut durchhörbare Mittellage ergibt, die polyphone Musik begünstigt. Der Klang wird nicht formlos-glatt intoniert, sondern mit bewusst herausgearbeiteten Charaktereigenschaften der einzelnen Register. Als Stimmung wird eine leicht ungleichschwebende Temperatur angelegt. Sowohl die Mensurberechnung als auch die Intonation wird in Zusammenarbeit zwischen Orgelbaumeister Tilman Trefz aus Kernen bei Waiblingen und unserem Chefintonateur Rolf Pietrusky durchgeführt.
Dem historisierenden Konzept entsprechend wird die Spielanlage wieder mittig in den Unterbau integriert und das Rückpositivgehäuse auf seine ursprüngliche Tiefe reduziert. Aus Sicherheitsgründen muss hinten im Hauptgehäuse entlang der Kirchenwand ein Durchgang als Fluchtweg eingeplant werden. Die Windladen konnten auf eine optimale Klangentfaltung hin positioniert werden: Auf Höhe des umlaufenden Prospektfrieses befindet sich im Zentrum das Hauptwerk, flankiert vom Kleinpedal. Hinter dem Stimmgang steht in der unteren Ebene das Großpedal, bestehend aus Principal 16', Posaune 16' und Teilen des Subbaß 16'. Oberhalb des Fluchtweges ist die Windanlage mit drei Keilbälgen und der optional zu bedienenden Kalkantenanlage untergebracht. Der Gebläsemotor steht auf dem Dachboden über der Orgel. Die neue innere Anlage ermöglicht praktikable Wartungszugänglichkeit sowie kurze Wege für die Tontraktur, was sich wiederum vorteilhaft auf ein präzises Spiel auswirkt. Die Registertraktur ist mit einer zusätzlichen elektrischen Steuerung (Doppeltraktur) ausgestattet, um die musikalische Praxis mit einer modernen Setzeranlage zu erleichtern.

| II. Hauptwerk (C - g''') |
|---|
| 1. Gedackt 16' |
| 2. Principal 8' |
| 3. Bourdon 8' |
| 4. Viola di Gamba 8' |
| 5. Hohlflöte 8' |
| 6. Salicional 8' |
| 7. Bifara 8' |
| 8. Octav 4' |
| 9. Spitzflöte 4' |
| 10. Salicional 4' |
| 11. Terz 3 1/5' |
| 12. Quint 2 2/3' |
| 13. Superoctav 2' |
| 14. Terz 4/5' / 1 3/5' |
| 15. Mixtur 5f. |
| 16. Trompete 8' |
| I. Rückpositiv (C - g''') |
|---|
| 17. Gedackt 8' |
| 18. Flaut travers 8' |
| 19. Principal 4' |
| 20. Rohrflöte 4' |
| 21. Nazard 2 2/3' |
| 22. Flageolett 2' |
| 23. Terz 1 3/5' |
| 24. Mixtur 3f. |
| 25. Cromorne 8' |
| 26. Vox humana 8' |
| Tremulant |
| Cymbelstern |
| Pedal (C-f') |
|---|
| 27. Violon 16' |
| 28. Subbaß 16' |
| 29. Octavbaß 8' |
| 30. Principalbaß 8' |
| 31. Quint 6' |
| 32. Octav 4' |
| 33. Posaune 16' |
| 34. Trompete 8' |